Prinzessin Alice – WP-FDSM Prinzessin Alice – WP-FDSM

Großherzogin Alice von Hessen

Prinzessin Alice

Eine britische Prinzessin prägt Darmstadt

Wer war Alice?

Das aktuelle Spendenprojekt des Vereins, ein Portrait von Königin Victoria von Großbritannien und Irland, kam durch Victorias Tochter Alice nach Darmstadt.
Sie heiratete Prinz Ludwig von Hessen und bei Rhein, den Neffen des Großherzogs. Prinzessin Alice von Großbritannien und spätere Großherzogin von Hessen und bei Rhein wird nicht nur als vorbildliche Ehefrau und Mutter geschätzt werden, sondern machte sich vor allem durch ihr soziales Engagement in Darmstadt einen Namen, der bis heute in der Stadt zu finden ist.

Im April 1843 wurde Alice Maud Mary im Buckingham Palast in London geboren. Sie war das dritte Kind von Königin Victoria und Prinzgemahl Albert von Sachsen-Coburg und Gotha. Im Juli 1862 heiratete sie den zukünftigen Großherzog Ludwig IV. von Hessen und bei Rhein auf dem Landsitz von Königin Victoria auf der Isle of White. Der Einzug des jungen Thronfolgerpaares wurde in Darmstadt als Volksfest gefeiert. Zwei Jahre zuvor war Ludwig nach Schloss Windsor zur „Begutachtung“ eingeladen worden. Hier konnte er nicht nur Alice für sich gewinnen, sondern auch Königin Victoria: Er sei „so nett, natürlich, sensibel, ruhig und unblasiert“. [1]

Für Alice war es eine Umstellung vom wohlhabenden englischen Hof in die bescheidenen Darmstädter Verhältnisse zu wechseln. Bereits als Thronfolgerpaar übernahm sie zusammen mit ihrem Ehemann sehr viele Repräsentationspflichten, da sich Großherzog Ludwig III. schon während seiner Amtszeit zunehmend ins Private zurückgezogen hatte. Die nicht mit Begeisterung getragene Reichsgründung 1871, die Integration des Großherzogtums in das Bismarck-Reich, sowie die zunehmenden Beschränkungen der verfassungsmäßigen Rechte des Großherzogs, ließen jedoch wenige Möglichkeiten für politische Betätigung.

Von ihrem Vater aufklärerisch-liberal erzogen, empfand Alice es als ihre Aufgabe, sich sozial zu engagieren. Also widmete sie sich der Verbesserung der Lebensbedingungen der Bevölkerung. Sie kümmerte sich um eine bessere Wasserversorgung und Kanalisation, förderte die öffentliche Gesundheitspflege, kümmerte sich um die Verbesserung der hygienischen Bedingungen für (arme) Wöchnerinnen und initiierte Wohnungsbauprojekte für Arbeiter. Mit dem Gewinn aus dem von ihr gegründeten „Alice-Bazar“ eröffnete sie eine „Idiotenanstalt“. Außerdem nahm sie verschiedene humanitäre Einrichtungen aus der Obhut der Kirche, was allerdings Missfallen erregte.

Alice in der Frauenbewegung

Zusammen mit Luise Büchner, in der sie eine Gleichgesinnte gefunden hatte, begründete sie 1867 den „Alice-Frauenverein für Krankenpflege“, in dem Schwestern nach den Ideen von Florence Nightingale ausgebildet wurden. Krankenpflege wurde nun zum bezahlten Beruf. 1871 ging daraus die Gründung eines eigenen Krankenhauses hervor: Das noch heute existierende Alice-Hospital in Darmstadt.

Ein Jahr zuvor hatte unter der Leitung von Luise Büchner das „Alice-Lyzeum“, ein Mädchengymnasium, eröffnet. Frauen und Mädchen sollten unterstützt werden in deren Bildung und Erwerbstätigkeit. Bei der ersten Generalversammlung des Verbandes deutscher Frauen- und Erwerbsvereine 1872 in Darmstadt, dem die Alice-Vereine angehörten, stand auf der Tagesordnung der Eintritt der Frauen in Post-, Eisenbahn- und den Telegraphendienst.

Aber auch für die in Darmstadt lebenden Arbeiter und deren Familien setzte sie sich ein. Bereits 1864, nur zwei Jahre nach der Heirat mit Prinz Ludwig, wurde unter der Schirmherrschaft des Thronfolgerpaares ein „Bauverein für Arbeiterwohnungen“ gegründet. Unter den Vorstandsmitgliedern waren Vertreter des Hofes und der Darmstädter Wirtschaft, u.a. der Fabrikant Carl Merck. Nach britischem Vorbild, und so wie bereits von ihrem Vater Prinzgemahl Albert in London umgesetzt, wurden in Darmstadt „gesunde und billige Wohnungen für Arbeiterfamilien“ in überschaubaren Wohneinheiten geplant. Es sollten keine Mietskasernen sein, wie sie in anderen Städten von Bauvereinen gebaut wurden. [2]

Alice mit ihrem Ehemann und ihren Kindern, 1876 / Bild: gemeinfrei

Politik und Privates

Alice und Ludwig unterstützen 1871 die deutschen Einigungsbestrebungen zum geeinten Deutschen Reich, weg von der Kleinstaaterei. Allerdings stand das im Kontrast zu den konservativen Kreisen der Bevölkerung. Auch Großherzog Ludwig III. war eher auf die Souveränität seines Landes bedacht. Sich einer Vorherrschaft Preußens unterzuordnen, obwohl er eher zum Kaiserreich Österreich tendierte, lag nicht in seinem Interesse. Er zog sich ins Private zurück und überlies dem Thronfolgerpaar Ludwig und Alice die repräsentativen Auftritte. Ludwig III. stirbt 1877. Da er keinen männlichen Nachfolger hatte, wurde sein Neffe als Ludwig IV. Großherzog von Hessen und bei Rhein und Alice Großherzogin.

Alice und Ludwig hatten sieben Kinder. Nach drei Töchtern war das vierte Kind dann ein Junge, Ernst Ludwig, der letzte Großherzog von Hessen und bei Rhein. Die Töchter wurden in die Adelshäuser Battenberg, Preußen und Romanow verheiratet.

Nach einem Unfall verstirbt 1873 mit nur 2½ Jahren Sohn Friedrich. Der Junge hatte die in der britischen Familie verbreitete Bluterkrankung und erlag seinen Verletzungen. Alice litt danach an körperlichen Schwächezuständen und Depressionen.

1878 erkrankte fast die gesamte großherzogliche Familie an der Volksseuche Diphterie. Alice pflegte ihre Kinder. Sie hatte schon als junges Mädchen ihren Vater Prinz Albert während seiner Typhus-Erkrankung gepflegt, an der er letztlich verstarb. Alle überlebten die Diphterie-Erkrankung, außer ihrer vierjährigen Tochter Marie und sie selbst. Alice verstirbt mit nur 35 Jahren im Neuen Palais in Darmstadt. Sie ist zusammen mit Marie auf der Rosenhöhe im Mausoleum begraben.

Auf Grund ihres frühen Todes musste sie nicht mehr miterleben, dass ihre beiden in das Haus Romanow verheirateten Töchter – Großfürstin Elisabeth und Zarin Alix – in Russland von den Bolschewisten 1918 ermordet wurden.

Das Andenken an Alices großes Engagement für Frauen und ihre humanitäre Arbeit sind noch heute in Darmstadt sichtbar. Beispielsweise in der „Alicenstraße“, dem „Alice-Hospital“, sowie dem „Alice-Denkmal“ am Wilhelminenplatz, das Sohn Ernst Ludwig hat errichten lassen. Und unter dem Namen „Bauverein AG“ existiert der einstige „Bauverein für Arbeiterwohnungen“ in Darmstadt bis heute.



TITELBILD
Prinzessin Alice um 1869 / Bild: gemeinfrei

QUELLEN:
(1) Heidenreich „Dynastie und hessische Identität“, Kulturstiftung des Hauses Hessen: „Die Hessens“, Petersberg 2017
(2) Eckhart G. Franz: „Die Chronik Hessens“, Dortmund 1991
sowie
darmstadt-stadtlexikon.de