Königin Victoria – WP-FDSM Königin Victoria – WP-FDSM

Queen_Victoria_-_Winterhalter_1859 Kopie

Königin Victoria

von Großbritannien und Irland, Kaiserin von Indien

Sie wird die „Großmutter Europas“ genannt. Als erste trug sie den Titel „Kaiserin von Indien“. Ihre Regierungszeit, das „Viktorianische Zeitalter“, steht für „die gute alte Zeit“. Dabei war es eher unwahrscheinlich, dass sie einmal Königin der damals größten Weltmacht werden würde.

Im Mai 1819 wird Alexandrina Victoria von Kent im Kensington Palast in London geboren. Die Öffentlichkeit nahm von ihrer Geburt kaum Notiz, stand sie doch nur an fünfter Stelle der Thronfolge. Ihre Eltern waren die deutschstämmige Fürstin Victoire von Leiningen, eine Prinzessin aus dem Haus Sachsen-Coburg-Saalfeld, und Herzog Edward Augustus von Kent und Strathearn aus dem Haus Hannover. Ihr Vater war der vierte Sohn von König Georg III., der in Personalunion Großbritannien, Irland und Hannover regierte.

Victorias Vater starb an einer Lungenentzündung noch bevor sie ein Jahr alt war und hinterließ Frau und Kind mit hohen Schulden. Nur durch die finanzielle Unterstützung des Bruders der Mutter, Leopold von Sachsen-Coburg und Gotha, war es den beiden möglich, im Kensington Palast wohnen zu bleiben. Während Victoria heranwuchs wurde zuerst der erste Sohn von Georg III. König und dann der dritte Sohn. Beide regierten nur kurze Zeit. Der zweite Sohn war bereits verstorben. Alle hatten keine lebenden Nachkommen hinterlassen, und so wurde am Morgen des 20. Juni 1837 der erst 18 jährigen Victoria mitgeteilt, dass nun sie Königin von Großbritannien und Irland ist.

„Der König ist tot, lang lebe die Königin.“

Da im Königreich Hannover die Salische Erbfolge galt, die nur Männern die Thronübernahme erlaubt, endete an diesem Tag die seit 1714 bestehende Personalunion dieser beiden Reiche. König von Hannover wurde Victorias Onkel Ernst August (fünfter Sohn Georg III.).

Der Erzbischof von Canterbury, William Howley, und der Lord Chamberlain of the Household, Francis Nathaniel Conyngham 2nd 
Marquess of Conyngham, überbringen Victoria die Nachricht, dass die Königswürde an sie fällt. (Gemälde nach Henry Tanworth Wells, 1887 / Bild: gemeinfrei)

Als schon im Verlauf von Victorias Kindheit aufgrund der fehlenden Nachkommenschaft ihrer Onkeln und Tanten die Thronfolge immer wahrscheinlicher wurde, war sie schon als kleines Mädchen Machtkalkulationen der sie umgebenden Menschen ausgesetzt. Der Vermögensverwalter ihrer Mutter spekulierte darauf, dass, sollte Victoria bei Thronübernahme minderjährig sein, er über die Königinmutter Einfluss auf die Politik des Landes nehmen könne. Und so wurde die kleine „Drina“ von der Außenwelt isoliert, durfte nur mit ausgewählten Leuten Kontakt haben und gleichaltrige Spielgefährten hatte sie gar nicht. Von der Mutter wird sie sich zunehmend emotional entfernen. Victoria wird später ihre Kindheit als traumatisch, kontrolliert und unglücklich beschreiben.

Ausbildung einer Prinzessin

Ab ihrem fünften Lebensjahr wird sie von der Gouvernante Louise Lehzen erzogen und unterrichtet. Diese wird zu einer wichtigen Bezugsperson und bleibt bei ihr, bis Victoria selbst Kinder hat. Ab ihrem zehnten Lebensjahr bekommt Victoria zusätzlich einen Hauslehrer. Der liberal anglikanische Geistliche unterrichtete Victoria in erster Linie in Bibelkunde, Geschichte, Geografie und Fremdsprachen. Später kam noch Tanz-, Reit-, Mal- und Klavierunterricht dazu.

Die Schulbildung blieb allerdings oberflächlich, was damals für Adelstöchter nicht unüblich war. Für die Monarchin einer Weltmacht jedoch war ihre Ausbildung unzureichend. Zeitlebens wird sie sich unsicher fühlen in Gesprächen mit Staatsgästen oder auch ihrem späteren Ehemann Prinz Albert. Dieser war wesentlich gebildeter und kultivierter, interessierte sich für Politik und wollte mitentscheiden. Sie jedoch wollte ihre Herrschaft nicht teilen, was dann bereits in den ersten Jahren eine Ehekrise auslöste.

Victoria mit Prinzgemahl Albert und fünf der gemeinsamen Kinder (Gemälde von F.X.Winterhalter, 1846) / Bild: gemeinfrei

Die Vermählung zwischen Victoria und Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha wurde von ihrem Onkel Leopold und ihrem Berater eingefädelte. Leopold, ebenfalls aus dem Haus Sachsen-Coburg und Gotha, war der Einzige, der ihr Tipps und Empfehlungen zur Thronübernahme gab, und ihr auch später beratend zur Seite stand. Die Ehe mit einem gut gebildeten Mann an ihrer Seite sollte sowohl die unerfahrene Königin als Herrscherin stärken und unterstützen, als auch dem Haus Sachsen-Coburg und Gotha nützlich sein. Trotz der anfänglichen Schwierigkeiten in der Ehe, in denen Victoria sich eher durch seine versuchte Einflussnahme und geistige Überlegenheit in politischen Dingen bevormundet fühlte, ist diese Verbindung von Anfang an eine Liebesbeziehung. Während der neun Schwangerschaften, und die dadurch entstehende Abwesenheit Victorias im Kronrat, wird Albert letztlich doch größtenteils die Regierungsgeschäfte übernehmen.

Aufgrund seiner besseren Vorbereitung auf eine politisch gestaltende Rolle konnte Albert durch kluge diplomatische Entscheidungen auch das Parlament von sich überzeugen. Albert engagierte sich auch in sozialen Bereichen. Ebenso wurden die Außenwirkung der königlichen Familie und die Erziehung der Kinder entscheidend durch ihn geprägt. Als er im Alter von nur 42 Jahren nach einer Erkrankung verstirbt, ist Victoria schwer getroffen und zieht sich für viele Jahre aus der Öffentlichkeit zurück.

Eine gute Partie

Um die eigene Macht auszuweiten und Allianzen mit anderen Ländern zu bilden, dienten dem Adel „günstige“ Eheschließungen. Ganz in diesem seit Jahrhunderten praktiziertem Sinn verheiratete Königin Victoria ihre Kinder in die angesehenen europäischen Adelshäuser. Nur eine Tochter heiratete einen britischen Landsmann.

Der erstgeborene Sohn und Thronerbe Victorias wurde mit der Tochter des dänischen Thronfolgers verheiratet.

Die älteste Tochter heiratete den preußischen Kronprinzen und wurde Deutsche Kaiserin. Sie ist die Mutter des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II.

Ein jüngerer Sohn heiratete ebenfalls eine Prinzessin aus Preußen, und ein anderer wiederum eine russische Zarentochter.

Weitere Kinder wurden auf die verschiedenen deutschen Adelshäuser wie Waldeck-Pyrmont, Oldenburg und Hessen-Darmstadt verteilt. Eines dieser Kinder war Tochter Alice*. Sie wurde die Frau des späteren Großherzog Ludwig IV. von Hessen und bei Rhein.

Das Kalkül von Königin Victoria, durch diese ehelichen Allianzen den Frieden Europas zu sichern ging allerdings nicht auf. Im Ersten Weltkrieg kämpften mehrere ihrer Enkel gegeneinander.

Das Ende einer Ära

Während ihrer Regentschaft erlebte das Königreich eine wirtschaftliche Blütezeit und erreichte seine größte Ausbreitung als Kolonialmacht. Ihre bis heute existierende Strahlkraft ist jedoch eher ihrer langen Regentschaft von fast 64 Jahren geschuldet, denn ihres starken Einflusses auf die politischen Geschicke des Landes. Durch ihre lange Amtszeit auf dem britischen Thron vermittelte sie der Bevölkerung Stabilität in Zeiten des Umbruchs durch die Industrialisierung und gesellschaftlicher Strukturen.

Den Titel „Kaiserin von Indien“ zu ergattern war für sie persönlich eine ihrer größten Errungenschaften. Nur Königin zu sein, während Tochter Vicky Kaiserin des Deutschen Reiches ist, kränkte ihr Herrscherego.

Im Januar 1901 stirbt Victoria im Alter von 81 Jahren in Osborne House, ihrem Landsitz auf der Isle of Wight.



* Sie bringt das Bild von Queen Victoria mit nach Darmstadt, welches das aktuelle Spendenprojekt des Vereins ist.

TITELBILD :“Portrait der Queen Victoria“, Gemälde von Franz Xaver Winterhalter, 1859 / Bild: gemeinfrei