Rollen, föhnen, spannen… – WP-FDSM Rollen, föhnen, spannen… – WP-FDSM

Endzustand

Rollen, föhnen, spannen…

Das Gemälde der „Prospect von dem Meliboco und dessen Gegend“ war das bisher größte Projekt unseres Vereins. Und zwar nicht nur wegen der Summe, die dafür eingesammelt werden musste, um es restaurieren zu lassen, sondern auch wegen der Ausmaße des Gemäldes: 2,25 x 3,75 Meter. Wer glaubt, da kommen zwei Leute, tragen das Gemälde rein und hängen es auf, der irrt. Ein solches Gemälde hängt man nicht einfach mal so auf, guckt wie es aussieht und hängt es gegeben falls einfach woanders hin. Nein, bei einem solchen Gemälde muss vorher entschieden werden, wo und wie es hängen soll.

Bekanntlich sind die Türen in einem Schloss größer ausgelegt, aber leider nicht alle und natürlich schon gar nicht diejenige, durch die man dann das Gemälde bringen muss. Mit sehr viel Aufwand wurde das große Gemälde in einen kleinen Raum im Residenzschloss Darmstadt gebracht. Das war eine anspruchsvolle Aufgabe.

Ein Gemälde dieser Größe wird gerollt transportiert. Es ist sorgfältig mit Luftfolie umwickelt und wird dann ohne Bodenkontakt aufgelegt. Anschließend wird die Folie entfernt – vorsichtig!

Im Foyer des Schlossmuseums wartet das aufgerollte Gemälde auf den nächsten Schritt.

Im Raum, in dem das Gemälde später aufgehängt werden soll, wird die Rückwand des Bildes vorbereitet. Hierauf wird das Ölgemälde später aufgespannt.

Das aufgerollte Ölgemälde wird in den Raum getragen, durch die kleine Tür, bzw. ist es in diesem Fall ein Durchgang.
Skeptisch wird es von einem unserer Vorstandsmitglieder beobachtet.

Ganz vorsichtig und ganz langsam wird das wertvolle Gemälde auf der vorbereiteten Rückwand ausgerollt. Hier muss jetzt alles zentimetergenau stimmen, denn Korrekturen sind schwierig. Sollte es schief liegen, kann man nicht durch Ziehen an einer Ecke den Fehler so einfach beheben. Zum Einen hat Öl auf Leinwand ein gewisses Eigengewicht, und zum Anderen ist die Leinwand auf der Rückseite rau und gleitet nicht einfach über die Oberfläche.

Jetzt müssen die Kanten der Leinwand mittels einem ganz normalen Föhn erwärmt werden, um sie umknicken zu können, ohne dass die Farbe dabei reißt. Mit Geduld und Vorsicht wird das von Restauratorin Christiane Ehrenforth und ihrer Kollegin Sina Theile erledigt, und das hat bestimmt zwei Stunden gedauert.

Die umgeklappten Leinwandränder werden dann mittels kleiner Nägel oder Tackerklammern an der Unterkonstruktion, also der Rückwand, befestigt.

Dann kommt er, der erste große Moment, das Gemälde kann endlich senkrecht aufgestellt werden. Leider mit der Vorderseite Richtung Wand. Denn zuerst muss der Keilrahmen der Unterkonstruktion mit kleinen Keilen fixiert und auf Spannung gebracht werden. Ein Rückwandschutz, z.B. gegen Feuchtigkeit, erledigen passgenau angebrachte Platten.

Anschließend wird die überstehende Leinwand der Vorderseite komplett umgeschlagen und an rückwärtig befestigt. Und wie man sieht, wird dabei den Restauratorinnen alles abverlangt. Offensichtlich beinhaltet die Arbeit an alten Gemälden auch ein gewisses Maß an Sportlichkeit.

Währenddessen wird an der Wand, an der das Gemälde aufgehängt werden soll, eine nicht minder aufwendige Konstruktion von zwei Schreinern angebracht. Da hier auch das Sicherheitssystem installiert wird, habe ich hiervon kein Foto veröffentlicht. Aber allein durch das Gewicht des Gemäldes und die „alte Wand“ – und jeder der in einem Stilaltbau wohnt weiß das – reicht hier keine einfache Dübelkonstruktion aus.

Endlich kann das Gemälde mit der Vorderseite sichtbar aufgestellt werden.

In Feinarbeit und mit Argusaugen werden kleine Schäden gesucht und ausgebessert. Vor allem an den Rändern kann bei all den Arbeitsschritten eben doch noch mal was passiert sein.

Dieses Gemälde lebt vor allem von seinen Details. Mit welcher Genauigkeit der Maler Johann Tobias Sonntag die Gemeinden, Kirchen, Pferde, Bauern und auch die Frisur seiner eigenen Perücke gemalt hat, ist beeindruckend.

Gehen Sie ins Schlossmuseum und schauen Sie es sich an.