Zu Besuch im Restaurierungsatelier – WP-FDSM Zu Besuch im Restaurierungsatelier – WP-FDSM

IMG_3453_Klein

Zu Besuch im Restaurierungsatelier

Wie geht es der „Queen“? Etwas versteckt in einem Hinterhaus in Frankfurt Sachsenhausen befindet sich ein kleines Juwel: Das Restaurierungsatelier von Diplom-Restauratorin Stephanie Wagner und Diplom-Restauratorin und Vergoldermeisterin Corinna Bohn.

Hier wird das aktuelle Spendenprojekt der Freunde des Schlossmuseum Darmstadt e.V., ein Portrait von „Königin Victoria von Großbritannien und Irland“, restauriert. Gemälde und Rahmen hatten durch den Abtransport im Zweiten Weltkrieg und eine seitdem schlechte Lagerung starke Beschädigungen erlitten. Dank zahlreicher Spenden ist es nun möglich, Gemälde und Rahmen restaurieren zu lassen. Anschließend wird das Portrait im Schlossmuseum Darmstadt einen festen Platz in den Ausstellungsräumen bekommen.

Kurz vor Weihnachten konnten sich zwei Mitglieder des Vereinsvorstandes bei einem Besuch in der Werkstatt über den derzeitigen Stand der Restaurierungsarbeiten informieren. Aufgrund der Hygieneregeln wegen der Coronapandemie war ein Besuch für mehrere Vereinsmitglieder diesmal leider nicht möglich. Um unsere Mitglieder trotzdem teilnehmen zu lassen, haben wir zusätzlich zu diesem Bericht Photos und auch Videos auf dieser Homepage sowie Instagram bereitgestellt.

Gemälde und Rahmen werden für die Restaurierungsarbeiten momentan im liegenden Zustand separat bearbeitet.

Bearbeitung des Gemäldes

Am Portrait wurde zuerst der Oberflächenschmutz und dann der vergilbte Firnis entfernt. Der Rand der Gemäldeleinwand ist an manchen Stellen zerrissen und wird mit neuen Leinwandstreifen hinterklebt. Die gravierendste Beschädigung an dem Gemälde sind die Risse in dem Portrait selbst. Teilweise fehlt sogar ein ganzes Stück. Dieses kann allerdings relativ leicht ergänzt werden, da sich an dieser Stelle nur der Hintergrund befindet und keine wesentlichen Bildausschnitte. Problematischer sind die Risse.

Die Risse in der Leinwand stellen eine größere Herausforderung dar: Das Gemälde war durch die jahrelang unsachgemäße Lagerung Temperaturwechseln und Feuchtigkeit ausgesetzt. Dadurch hat sich die Leinwand verzogen und die Ränder der Risse können nicht einfach wieder aneinandergefügt werden. Es würde eine „Welle“ entstehen. Stephanie Wagner wird versuchen mittels rückseitiger Befeuchtung der Leinwand und planieren mittels Gewichten schrittweise die verzogenen Stellen zurückzuformen.
Kleine Risse, an denen diese Problematik nicht besteht, wurden bereits mit einer punktuellen Fadenverklebung rückseitig geschlossen. Vorderseitig werden sie dann noch gekittet und retuschiert.

Zur Stabilisierung und zum Schutz des restaurierten Gemäldes soll eine zusätzliche Leinwand hinterspannt werden. Allerdings befindet sich auf der Rückseite der Leinwand eine Beschriftung von 1843, dem Entstehungsjahr des Gemäldes. Es wird noch nach einer guten Lösung gesucht, damit diese weiterhin sichtbar bleiben kann.

(Zur Vergrößerung des Bildes, auf das jeweilige Bild klicken.)

Bearbeitung des Rahmens

Der Rahmen ist nachweislich der Originalrahmen zum Gemälde. Darauf verweist ein Aufkleber des königlichen Rahmenherstellers aus London auf der Rückseite. Er ist von guter Qualität, hat aber auch durch die schlechte Lagerung und den Transport Beschädigungen erlitten. Die Ornamente an den Ecken sind stark zerstört.

(Zur Vergrößerung des Bildes, auf das jeweilige Bild klicken.)

Die Unterkonstruktion des Rahmens besteht aus Holz. Die Ornamente sind aus Verzierungsmasse hergestellt und auf das Holz aufgesetzt. Zur Wiederherstellung der Ornamentik wird Corinna Bohn neue Negativformen mittels der noch vorhandenen Ornamente anfertigen. Die neu, aber in historischer Zusammensetzung, hergestellte Verzierungsmasse wird dann in die Negativformen eingedrückt und ein neues passgenaues Ornament geformt. Die angefertigten Ornamente werden anschließend auf den Rahmen aufgeklebt. An manchen Stellen muss zuvor auch das fehlende Holz der Unterkonstruktion ergänzt werden. Im Anschluss werden die Ergänzungen vergoldet und eingetönt, um sie der historischen Farbgebung des Rahmens anzupassen.

Wir danken Frau Bohn und Frau Wagner für die ausführlichen Erläuterungen zu Ihrer Arbeit und freuen uns auf den nächsten Besuch, dann hoffentlich wieder mit mehreren Vereinsmitgliedern.

 

BILDER & VIDEOS
© Daniele Ludewig