Exkursion Pirmasens – WP-FDSM Exkursion Pirmasens – WP-FDSM

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Exkursion Pirmasens

Der 300. Geburtstag von Landgraf Ludwig IX. von Hessen-Darmstadt war für die „Freunde des Schlossmuseum Darmstadt“ der Anlass, als Ziele ihrer Herbstexkursion 2019 Pirmasens und Buchsweiler /Bouxwiller (Frankreich) anzusteuern. An diesen beiden Orten verbrachte der Landgraf größere Teile seines Lebens. Buchsweiler war die Haupt- und Residenzstadt der Grafschaft Hanau-Lichtenberg, die Ludwig von seinem Großvater mütterlicherseits, Graf Johann Reinhard II. von Hanau-Lichtenberg, geerbt hatte. Pirmasens dagegen war ursprünglich ein Dorf, seit 1720 auch Standort eines gräflichen Jagdschlosses. Ludwig baute die Ansiedlung zur Garnisonsstadt mit sprunghaft ansteigender Einwohnerzahl aus.


Einen Einblick in das Leben Ludwigs IX. in Pirmasens erhielten die „Freunde des Schlossmuseum Darmstadt“ im Museum Altes Rathaus. Nach der Begrüßung mit Kaffee und Mineralwasser durch Mitglieder des Historischen Vereins Pirmasens lernte die Gruppe bei einer Museumsführung die fast ausschließlich militärisch geprägte Welt des Landgrafen kennen. Fernab von seiner Familie und den Regierungsgeschäften in Darmstadt beschäftigte er sich damit, eine Schautruppe von besonders groß gewachsenen und kräftigen Soldaten aufzubauen, mit ihr zu exerzieren und zu marschieren. Die dafür erforderliche Marschmusik komponierte er selbst; viele hundert Märsche sind überliefert. Zum Einsatz kam die Truppe nie, weil die aus vielen Regionen teuer zusammengekauften Soldaten für das Schlachtfeld viel zu wertvoll waren. Außerdem entsprach die Zusammenstellung und Bewaffnung des Regiments nicht den militärischen Bedürfnissen im Krieg.


Wie sehr die Garnison das Leben und das Aussehen der Stadt bestimmte, wurde beim anschließenden geführten Rundgang durch Pirmasens deutlich. Der Exerzierplatz, heute durch spätere Randbebauung deutlich kleiner als zur Zeit Ludwigs IX., ist immer noch ein Herzstück des Stadtgefüges. Als er angelegt wurde, war er eine der größten barocken Platzanlagen Europas. Ein ähnlicher Superlativ gilt für die nicht mehr existierende Exerzierhalle, in der auch bei schlechtem Wetter exerziert werden konnte. Sie war damals die zweitgrößte Exerzierhalle Europas. Ein Modell der stützenlosen Konstruktion ist im Museum ausgestellt.


Die Führung endete in der Lutherkirche, erbaut als Hof- und Garnisonskirche. Im angrenzenden Gebäude war ursprünglich die landgräfliche Lateinschule untergebracht. Da sich Landgraf Ludwig auch im Tod nicht von Pirmasens trennen mochte, wurde er in der dortigen Hofkirche beigesetzt und nicht in der Landgrafengruft in Darmstadt.


Zum Mittagessen ging es in das Brauhaus Larem, gelegen am oberen Ende einer beeindruckenden modernen Treppenanlage, die die Verbindung zwischen dem Rathausplatz und der höher gelegenen Pirminiuskirche aus dem 19. Jahrhundert herstellt. An Stelle der Kirche stand früher das Schloss, das 1793 durch französische Truppen zerstört wurde, dann verfiel und schließlich abgerissen wurde. Die Exerzierhalle befand sich gegenüber dem Schloss.


Am frühen Nachmittag ging es durch das herbstliche Elsass nach Buchsweiler/Bouxwiller, die heute in Frankreich gelegene Hauptstadt der Grafschaft Hanau-Lichtenberg. Ein großer freier Platz markiert in dem hübschen Fachwerkstädtchen die Stelle, wo bis 1808 das Schloss stand. Das „Musée du Pays de Hanau“ (Museum des Hanauer Landes), das die Gruppe dann besuchte, ist in zwei stehengebliebenen Nebengebäuden des Schlosskomplexes untergebracht, der Kornhalle aus dem 16. Jahrhundert und der Schlosskapelle aus dem 14. Jahrhundert. Der fachkundige deutschsprachige Führer zeigte den Besuchern die historische Abteilung des Museums. Mit modernen Mitteln musealer Präsentation wird in den zum Teil historisch erhaltenen Räumen die Geschichte des Hanauer Landes erzählt. Auch die verschlungenen familiären Verbindungen der aufeinanderfolgenden Herrschergeschlechter werden schlüssig nachgezeichnet. Ein individueller Bummel durch die alten Straßen rundete einen schönen und informationsreichen Tag stimmungsvoll ab.